[Gastbeitrag] Jenni erzählt: “Warum mich die Diagnose Zöliakie nicht vom Reisen abhält.”

Reisen wurde mir in die Wiege gelegt. Viele meiner Kindheitserinnerungen
spielen sich im Zug ab. Wir haben früher als Familie ganz Europa auf Schienen
bereist. Reisen und Neues entdecken ist meine große Leidenschaft. Treffe ich
Bekannte und Verwandte ist meist die erste Frage: “Was ist das nächste Reiseziel?”. 

Und dann kam die Diagnose Zöliakie.

Einer meiner ersten Gedanken? “Dann esse
ich eben kein Brot mehr.”

Damals hatte ich noch nicht den geringsten
Schimmer, was die Diagnose Zöliakie bedeutet und wie sich mein Leben dadurch
verändern wird. Ernährungsumstellung? Ich begann zu recherchieren. Was ist
glutenhaltig? Wie ist das mit Stärke? Was ist glutenfrei? Pseudogetreide.
Ersatzprodukte. Kann Spuren von Gluten enthalten. Viele neue Informationen.
Vieles zu lernen. Dennoch war ich optimistisch. Das bekomme ich hin. Erst ein
Kommentar von einer damaligen Arbeitskollegin hat mir einen kurzen Panikmoment
verschafft.

“Du Arme. Das war’s dann wohl mit deinen Reisen.”

Bitte was? Meine Reisen? Was??

Innerlich hat sich mein Magen verkrampft.
Die nächste Reise nach Sri Lanka war gebucht. Also nochmal recherchieren. Wie
ist das mit dem auswärts essen? Gibt es glutenfreie Restaurants im Ausland? Was
bedeuten glutenfrei, Weizen und Dinkel auf Englisch, Kroatisch und Thai?

Tagelang habe ich Foren, Facebookgruppen und Blogartikel
durchforstet. Ein gelesener Kommentar ist mir bis heute in Erinnerung
geblieben: “Seit der Diagnose war ich nicht mehr im Urlaub. Das ist mir zu
riskannt für meine Gesundheit.” Uff.

Ist es riskant mit Zöliakie zu reisen?

Ganz realistisch betrachtet: Jedes auswärts
Essen birgt ein gewisses Risiko. Die einzige absolute Sicherheit gibt es nur im
eigenen 100% glutenfreien Haushalt. Aber deswegen nicht mehr die Welt
entdecken? Nein. Denn es gibt auch Möglichkeiten, mit Zöliakie sicher unterwegs zu sein.

Die glutenfreie Pizza im Restaurante Mammina, in Neapel war ein Traum!

Besonders entspannt lässt sich der Urlaub
in Ländern mit einem hohen Verständnis für Zöliakie verbringen. Die besten
Erfahrungen habe ich in Italien gemacht. Neapel, Verona und Südtirol waren
essenstechnisch einfach ein Traum. In Neapel und Verona konnte ich mein Glück
nicht fassen. An jeder Ecke fand ich “senza glutine” Schilder. Viele
Restaurants sind von der Italienischen Zöliakie Vereinigung zertifiziert,
kennen sich mit Zöliakie aus und beantworten auch gerne Fragen zur
Kontamination. Ich war im glutenfreien Himmel! Zwei Jahre nach der Diagnose
habe ich zum ersten Mal einen Urlaub mit Halbpension im Hotel verbracht. Was
könnte es für ein besseres Ziel dafür geben als Südtirol? Kurzum, wir wurden wunderbar
zöli-sicher verwöhnt!

In Südtirol wurden wir jeden Tag kulinarisch verwöhnt

Ich koche liebend gerne – auch auf Reisen.

Einer der positiven Aspekte an der Diagnose Zöliakie ist, dass ich meine Freude am Kochen und Backen wiedergefunden habe. Auch auf Reisen verpflege ich mich inzwischen oft selbst. So kann ich auch “schwierige Länder” bereisen, weiß genau was ich esse und muss mir keine Sorgen um Sprachschwierigkeiten, kulturelle Unterschiede und versteckte Glutenquellen machen. Ich liebe es durch die Supermärkte zu stöbern, neue Produkte zu entdecken und die dann gleich in der Ferienwohnung zuzubereiten.

Ein voll gefüllter
Rucksack mit Jause, Knabbereien und Brot für den ersten Tag, lassen
mich ebenfalls entspannter sein. Unterwegs nehme ich auch immer Fruchtriegel
oder Obst mit. Selbst wenn das geplante Essen im Restaurant nicht klappt, bin
ich immer vorbereitet und habe eine glutenfreie Notfallration dabei.

Ich war in Kambodscha und habe Angkor Wat besichtigt – trotz und mit Zöliakie!

3 Monate Südostasien – trotz und mit Zöliakie.

Die größte Herausforderung als Zöli war für mich meine 3-monatige Reise durch Südostasien. Peking, Singapur, Borneo, Malaysia, Kambodscha und Thailand habe ich letztes Jahr entdeckt. Das war nicht immer einfach. Es gab viele Momente, in denen ich verzichtet habe. Momente, in denen ich meine Zöliakie verflucht habe und einfach am Strand sitzen und Pad Thai essen wollte. Würde ich trotzdem wieder nach Asien reisen? Absolut.

Zu Reisen ist Teil meiner Persönlichkeit.

Denn die vielen wunderbaren Erfahrungen, Eindrücke und Erinnerungen bleiben mir für mein Leben. Reisen bildet. Reisen prägt. Reisen verändert. Mich sehr positiv. Durch das Kennenlernen anderer Kulturen wird mir jedesmal wieder bewusst, wie unglaublich gut es uns in Europa geht. Mit und ohne Zöliakie.

Selbst in Bangkok habe ich ein vegetarisches und glutenfreies Restaurant entdeckt: May Veggie Home

Gleichzeitig wird mir bei jeder Reise immer mehr bewusst, wie kostbar unsere Umwelt, unsere Natur und unser Leben ist. “Es gibt keinen Planet B.” Ich versuche deswegen immer mehr nachhaltiger, bewusst und inzwischen auch regional zu reisen. Mein Ziel für 2019 ist es, nicht mehr zu fliegen, sondern wieder mehr mit dem Zug in Österreich und Europa zu reisen. Auch durch unsere Ernährung können wir einen großen Teil zum Klimaschutz beitragen. Die Rezepte von Lena zeigen auf so schöne Weise, wie lecker und gesund die vegane Küche sein kann.

Trau dich!

Reisen lehrt mich auch
Dankbarkeit. Ich bin unglaublich dankbar in einem sicheren Land zu leben,
einfach das Leitungswasser trinken zu können, im Restaurant auf Deutsch
das glutenfreie Angebot abklären, im Supermarkt die Zutatenlisten lesen  und in einer eigenen Küche kochen zu können.

Das Reisen mit Zöliakie kann eine Herausforderung sein. Mit den wichtigsten Zutaten im Gepäck können allerdings auch wir Zölis die Welt entdecken: Vorbereitung, Planung und die richtige persönliche Einstellung. Die vielen Erinnerungen, Eindrücke und nachhaltigen Erfahrungen bleiben dir für immer!

Über Jenni:

Hallo! Ich bin Jenni. Zöli. Mutmacherin. Entdeckerin. Naturkind. wienverliebt. Mit glutenreise.at möchte ich dir Tipps für das Leben mit Zöliakie geben und dir Mut machen, auch als Zöli das Leben so richtig zu genießen. Meine Liebe zu Wien ist auf glutenreise.at genauso Thema, wie glutenfreie Reisen und Entdeckungen.